Telemedizinisches Fernbefundungssystem

 

Telemedizinisches Fernbefundungssystem (Health Informatics)

 
Über eine durch die Damp-Stiftung finanzierte Projektförderung erfolgte in enger Zusammenarbeit zwischen dem Institut für Angewandte Informatik e.V.und der Fachhochschule Stralsund und dem Helios Hanseklinikum Stralsund die Entwicklung des Kiebitz©-Fernbefundungssystems. Im vergangenen Jahr ist so der Prototyp des ersten als Medizinprodukt zulassungsfähigen
Fernbefundungsarbeitsplatzes entstanden.

Der demografische Wandel in Deutschland stellt unsere Gesellschaft in vielen Bereichen zunehmend vor große Probleme. Die flächendeckende Gesundheitsversorgung ist hier neben der notwendigen Anpassungen im Bildungs- und Wirtschafts

Fernbefundungdwage Kiebitz

Fernbefundungdwagen Kiebitz

sektor eine herausragende Herausforderung. Gerade im gering bevölkerten Mecklenburg-Vorpommern wird es schon jetzt immer schwerer die hausärztliche Versorgung außerhalb der Städte zu gewährleisten (siehe Anlagen). Hausärzte sind vor dem Hintergrund ihrer voll besetzten Wartezimmer zunehmend nicht mehr in der Lage den notwendigen Hausbesuch im häuslichen oder im stationär pflegerischen Bereich zu bewerkstelligen. In dessen Folge kommt es dann allzu oft zu medizinisch fragwürdigen rettungsdienstlichen Einweisungen dieser zumeist älteren Patienten, die eher einer hausärztlichen Versorgung bedürften.
Unter zur Hilfenahme des Kiebitz©-Fernbefundungssystem wird es zukünftig möglich sein, dass der Hausarzt seine Patienten –in den dafür ausgestatteten Pflegeeinrichtungen – im Zeitraum zwischen seinen regulären Besuchsterminen über das Fernbefundungssystem konsultiert. Im Rahmen einer speziell dafür ausgerüsteten Audio-Video-Konferenz lässt sich der Patient befragen und visuell inspizieren. In einem vorgelagerten Befundungsprozess kann der Hausarzt in HD-Bildqualität unkompliziert einen ersten medizinischen Eindruck vom Patienten gewinnen. Auf dieser Grundlage können nun umgehend die weiteren medizinischen Maßnahmen in die Wege geleitet werden. Je nach medizinischer Indikation kann dies die Anordnung einer medizinische Versorgung durch die Pflegekräfte vor Ort, die Entscheidung zu einer prolongierten eigenen Versorgung im Rahmen des nächsten hausärztlichen Besuches oder bei akuter medizinischer Notwendigkeit die umgehende rettungsdienstliche Einweisung in die nächste Klinik sein.

Das System besteht aus einem mobilen Fernbefundungswagen (Medicalcart – siehe Foto) und einem Befundungsarbeitsplatz in
der hausärztlichen Praxis. Der Patient sitzt oder liegt vor dem Fernbefundungswagen und sieht seinen Hausarzt in HD-Qualität
auf einem großen Monitor. Auf der anderen Seite in der Ferne sitzt der Hausarzt in seiner Praxis und kann seinen Patienten über eine fernsteuerbare HD-Kamera – ebenfalls in HD-Qualität – sehen. Über eine spezielle Audio-Visuelle-Telekonferenz kann nun ein Arzt-Patientengespräch durchgeführt werden. Gegebenfalls muss der Patient auf Aufforderung des Arztes gezielte Bewegungen oder sprachliche Wiedergaben ausführen. Diese werden in Befundungsqualität übertragen und dienen als Grundlage einer medizinischen Diagnosestellung aus der Ferne. In Anschluss kann in den meisten Fällen das weitere medizinische Vorgehen durch den Hausarzt festgelegt werden.